Geschmack der Grenze: Essen, Gender und Zugehörigkeit auf der Flucht
Der Vortrag geht der Frage nach, wie Ernährung als alltägliche Praxis in Kontexten erzwungener Migration geschlechtlich strukturiert ist und gleichzeitig zur Aushandlung von Zugehörigkeit beiträgt. Aus einer ethnologisch-soziologischen Perspektive analysieren wir, wie migrantische Akteurinnen im Transit, im Exil und im Ankommen über Essen soziale Beziehungen herstellen, Care organisieren und kollektive wie individuelle Identitäten gestalten. Dabei betrachten wir Essen nicht nur als biologische Notwendigkeit, sondern als sensiblen sozialen Raum, in dem sich Erinnerung, Widerstand und Grenzziehungen materialisieren.
Der Vortrag verbindet aktuelle Migrationsphänomene mit der Geschichte der Vertreibung und Versklavung von Völkern des afrikanischen Kontinents durch die empirische Brille von Essen. Vor dem Hintergrund der Kolonialität des modernen Agrifood-Systems, das auf Hierarchien der Wertigkeit verschiedener Menschen beruht, beleuchten wir Geschichten der Fürsorge für Menschen und Mehr-als-Menschen, die von diasporischen und migrantischen Akteuren ausgehen.
Der Begriff „Geschmack der Grenze“ verweist dabei sowohl auf die physischen und geopolitischen Grenzen, denen Geflüchtete ausgesetzt sind, als auch auf die symbolischen Grenzregime, die den Zugang zu Fürsorge, Sichtbarkeit und Anerkennung entlang von Geschlechterachsen ordnen.
Datum: 03. Dezember 2025
Ort: Neue Universität